Die Kopfhörergewohnheit

Apr 27 2023
In der Öffentlichkeit nahm er seine Kopfhörer nie ab, weil er zu viel Angst davor hatte, sich mit der tödlichen Krankheit des Smalltalks anzustecken. Menschen ergaben für ihn keinen Sinn; Der Gedanke, Höflichkeiten auszutauschen, bereitete ihm Magenverstimmung.

In der Öffentlichkeit nahm er seine Kopfhörer nie ab, weil er zu viel Angst davor hatte, sich mit der tödlichen Krankheit des Smalltalks anzustecken. Menschen ergaben für ihn keinen Sinn; Der Gedanke, Höflichkeiten auszutauschen, bereitete ihm Magenverstimmung. Kein Mensch war es jemals wert, seine kostbaren Sekunden dafür zu verlieren.

Es war eine Gewohnheit, die er nicht ablegen konnte. Die Vorstellung, dass man ihn seines Lebens beraubt, machte ihm Angst. Er hatte gelernt, die Welt und alle ihre Bewohner zu hassen. Menschen waren nichts anderes als Blutegel, die immer versuchten, Zeit und Energie zu verbrauchen, um zu überleben. Die Kopfhörer waren sein Schutzschild gegen die Außenwelt, eine Barriere, die ihn vor neugierigen Blicken und überflüssigen Gesprächen schützte.

Eines Tages blieb ihm nichts anderes übrig, als mit dem Zug zu seiner Mutter zu fahren. Er müsste die berüchtigte grüne Linie nehmen. Bei dem Gedanken musste er sich ein wenig übergeben.

Die U-Bahn-Station stank nach Schweiß. Der Lärm des Geplappers erfasste alle seine Sinne. Er fühlte sich von der Menschenmenge um ihn herum gefangen und erstickt. Er versuchte sich durch die Menge zu drängen und wollte unbedingt zu seinem Zug gelangen und diesem höllischen Ort entkommen. Türen wurden zugeschlagen. Als er sich vorwärts bewegte, spürte er, wie jemand an ihm vorbeistreifte und deren dreckiger Arm seinen eigenen berührte.

Er zuckte entsetzt zurück, als er spürte, wie die Keime auf und unter seiner Haut krochen. Er muss sich vor ihnen geschützt haben. Er sah sich verzweifelt um und suchte nach einem Ausweg. Aber es gab keinen Ort, an den man fliehen oder sich verstecken konnte. Die Menschen um ihn herum kamen näher, ihre Gesichter waren zu grotesken Masken der Bosheit und Böswilligkeit verzerrt.

Er spürte eine Hand auf seiner Schulter und wirbelte herum. Es war eine junge Frau, ihr Gesicht war zu einem grausamen Grinsen verzerrt, ihre Augen verwirrt. Seine Augen waren wild vor Angst.

„Du siehst aus, als ob du Hilfe brauchst“, flüsterte sie, ihre Stimme triefte vor Sarkasmus. „Warum nimmst du nicht die Kopfhörer ab und schließt dich dem Rest von uns an?“

Er verspürte einen Anflug von Wut. Sein Herz hämmerte in seiner Brust. Er streckte die Hand aus und umklammerte sein Herz, aber seine Hand durchbohrte ihn, als bestünde er aus Rauch. Er sah sich um und erkannte, dass die Menschen um ihn herum keine Menschen mehr waren; Ihre Augen leuchteten in einem unheimlichen Licht.

Er versuchte zu rennen, aber seine Beine bewegten sich nicht. Er war gefangen, umgeben von diesen verdrehten Ghulen. Er spürte, wie sich ihre Hände um ihn schlossen und ihre Krallen sein Fleisch zerrissen. Er schrie vor Schmerz, als sie ihn Stück für Stück in Stücke rissen. Der Zug sorgte dafür, dass seine Schreie übertönt wurden.

Als sie mit ihm fertig waren, ließen sie ihn liegen, ein blutiges, kaputtes Durcheinander. Die Kopfhörer lagen neben ihm. Ihre Drähte waren verheddert und zerrissen und passten zu dem, was von ihm übrig geblieben war. Die Welt um ihn herum war zu einem Albtraum geworden, einem Ort der Dunkelheit und Verzweiflung. So ist er gestorben.

Die Polizei geht davon aus, dass es sich um einen Herzinfarkt handelt, der durch Stress, Bewegungsmangel und schlechte Ernährung verursacht wird. Aber Sie, mein lieber Zeuge, werden immer die Wahrheit erfahren – dass er durch die Grausamkeit und Dunkelheit der Welt um ihn herum über den Rand gedrängt wurde.